Micron Document
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Ginkgo
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Der Ginkgo oder Ginkocite-ref-duden2000-1-0[1] [ˈɥÉȘƋko]cite-ref-duden2000-1-1[1] (Ginkgo biloba) ist eine in China heimische, heute weltweit angepflanzte Baumart. Er ist der einzige lebende Vertreter der Ginkgoales, einer ansonsten ausgestorbenen Gruppe von Samenpflanzen. NatĂŒrliche Populationen sind nur aus der Stadt Chongqing und der Provinz Guizhou im SĂŒdwesten Chinas bekannt.

In Ostasien wird Ginkgo biloba wegen seiner essbaren Samen oder als Tempelbaum kultiviert. Er wurde von niederlÀndischen Seefahrern aus Japan nach Europa gebracht und wird hier seit etwa 1730 als Zierbaum gepflanzt.

Zum Jahrtausendwechsel erklĂ€rte das deutsche „Kuratorium Baum des Jahres“ Ginkgo biloba zum Mahnmal fĂŒr Umweltschutz und Frieden und zum Baum des Jahrtausends.cite-ref-bdj-2-0[2] Der Ginkgo ist ein „lebendes Fossil“.

Contents

‱ Habitus
‱ Holz
‱ Wurzelsystem
‱ Genetik
‱ Nutzung
‱ Systematik
‱ Rezeption
‱ Symbolik
‱ Quellen
‱ Weblinks

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Beschreibung

Habitus

Der Ginkgo ist ein sommergrĂŒner Baum, das heißt, er wirft im Herbst seine LaubblĂ€tter ab. Er soll 1000 Jahre und Ă€lter werden und Wuchshöhen bis ĂŒber 60 Meter sowie einen Brusthöhendurchmesser (BHD) bis ĂŒber 5 Meter erreichen. Meist wird er jedoch nicht höher als 40 Meter. Ein Exemplar aus Korea besitzt eine Höhe von 60 Metern und einen BHD von ĂŒber 5 Meter,cite-ref-lin2022-3-0[3] eines in Japan erreicht etwa 7 Meter BHD, allerdings besitzt dieser Baum mehrere StĂ€mme.cite-ref-4[4]cite-ref-gymnospermdb-5-0[5]cite-ref-6[6] Der junge Baum wĂ€chst meistens schlank und auffallend gerade in die Höhe. Die breite, sich nach oben verjĂŒngende Krone, ist eher spĂ€rlich beastet. Dies Ă€ndert sich zunehmend bei Ă€lteren BĂ€umen ab 25 Jahren, deren Äste sich immer mehr in die Waagerechte bewegen und so eine ausladende, mĂ€chtige Baumkrone bilden können. Meistens besitzt der Ginkgo zwei Haupttriebe, von denen einer schwĂ€cher ausgebildet ist. BĂ€ume, die unter Stress stehen, können in BodennĂ€he oder darunter SekundĂ€rstĂ€mme bilden, die aus wurzelartig wachsenden Trieben entstehen.

Holz

Das harzfreie, weiche und leichte Holz des Ginkgos weist eine feine Textur auf und Ă€hnelt dem der entwicklungsgeschichtlich jĂŒngeren Koniferen. Das hellbraune Kernholz lĂ€sst sich nur schwer vom hellgelben Splintholz unterscheiden. An StammkrĂŒmmungen oder Ästen entsteht hĂ€ufig Druckholz, das unabhĂ€ngig von der Kontrolle des Hauptsprosses wĂ€chst. Der Zellulose-Gehalt liegt zwischen 40 und 42 Prozent und der Lignin-Gehalt bei 30 bis 34 Prozent. Die Rohdichte liegt mit 12 bis 15 Prozent Holzfeuchtigkeit bei ca. 430 kg/mÂł.cite-ref-wagenf-hr2004-7-0[7] Im Gegensatz zu Nadelhölzern sind bei dieser Art Tracheiden in verschiedenen GrĂ¶ĂŸen vorzufinden. Bei den RadialwĂ€nden der Tracheiden können ein bis zwei, manchmal auch drei Reihen von HoftĂŒpfeln festgestellt werden. DarĂŒber hinaus lagern sich in den Tracheiden viele Calciumoxalat-Kristalle an. Das Holz eignet sich gut fĂŒr Schnitzerarbeiten und findet als Paneel Verwendung. Es werden kaum BestĂ€nde zur reinen Holzgewinnung angebaut.cite-ref-sch-tt2004-8-0[8]

Rinde und Borke

Die Borke von ausgewachsenen BĂ€umen ist dunkelgrau, rau, tief gefurcht und schwer entflammbar; dies macht die BĂ€ume mĂ€ĂŸig feuerresistent. Bei jĂŒngeren StĂ€mmen ist sie graubraun und weist hellbraune Risse auf. Die Rinde einjĂ€hriger Zweige ist hellgrau und geht bei zweijĂ€hrigen Zweigen ins Hellbraune ĂŒber.cite-ref-sch-tt2004-8-1[8]

Wurzelsystem

WĂ€hrend bei AltbĂ€umen die Seitenwurzeln dominieren, bilden JungbĂ€ume eine bis zu einem Meter lange Pfahlwurzel aus. Anders als in vielen Literaturberichten dargestellt, bildet der Ginkgo keine Wurzelbrut aus.cite-ref-sch-tt2004-8-2[8] Der Baum hat relativ dicke Feinwurzeln von ĂŒber 0,5 Millimeter, die von sehr vielen Wurzelhaaren bedeckt sind.cite-ref-sch-tt2004-8-3[8]

Ginkgo besitzt die FĂ€higkeit, bei schlechten Umweltbedingungen ĂŒber dem Boden „aereal chichi“ und unter dem Boden „basal chichi“ zu bilden. „Aereal chichi“ sind einem Tropfstein Ă€hnelnde (stalaktitenartige) verholzte, ĂŒber einen Meter lange Anschwellungen, die bei sehr alten GinkgobĂ€umen an den Ästen oder am Stamm in Asthöhe aus ĂŒberwallten Sprossknospen entstehen. BerĂŒhren diese verholzten Anschwellungen den Boden, entstehen unter gĂŒnstigen Bedingungen zahlreiche vegetative Sprosse, die sich zu einer eigenstĂ€ndigen Pflanze entwickeln können. „Basal chichi“ sind verholzte, rhizomĂ€hnliche Anschwellungen, aus denen meist SekundĂ€rstĂ€mme und Adventivwurzeln hervorgehen. Die Entwicklung der „basal chichi“ ist meistens auf wurzelartige, zur Schwerkraft (positiv geotrop) wachsende Triebe (auch Lignotuber genannt) zurĂŒckzufĂŒhren. Stimuliert durch traumatische Reize treibt eine dieser Knospen in den Achseln der beiden Kotyledonen aus, und die entsprechenden Triebe wachsen vom Spross in Richtung Schwerkraft. Auch hier kann ein eigenstĂ€ndiges Pflanzenexemplar entstehen, das aber meist mit der Mutterpflanze verbunden bleibt.cite-ref-sch-tt2004-8-4[8]

Knospen, BlÀtter und Triebe

Sehr auffÀllig sind die Terminalknospen. Sie sind lohfarbig (hellbraun), haben einen Durchmesser von 2 bis 5 Millimetern und sind von kleinen BlÀttern ohne Achselknospen umgeben, wobei sich die Tegmente schuppenartig anordnen.

Eine Besonderheit in der Pflanzenwelt stellen die sehr charakteristischen fĂ€cherförmigen, breiten LaubblĂ€tter dar. Sie sind in der Mitte mehr oder weniger stark eingekerbt und die Blattform variiert je nach der Stellung am Trieb und der Wuchskraft des Baumes, weshalb kaum ein Ginkgo-Blatt dem anderen gleicht. BlĂ€tter von jungen BĂ€umen sind deutlich anders geformt als die von alten BĂ€umen (Altersdimorphismus). An Kurztrieben und an der Basis von Langtrieben erreichen die BlĂ€tter eine Breite von vier bis acht Zentimeter und sind entweder ungeteilt oder durch Einschnitt zweilappig. Die BlĂ€tter an den Spitzen von Langtrieben besitzen deutlich tiefere Ausbuchtungen, welche die BlĂ€tter in zwei oder mehr Lappen teilen. An den Langtrieben werden die BlĂ€tter zwischen sechs und zehn Zentimeter breit. Der Blattstiel wird zwischen vier und zehn Zentimeter lang. Alle LaubblĂ€tter sind gabelnervig (dichotom), evolutionĂ€r betrachtet ein sehr ursprĂŒngliches Merkmal. Sie sind zu Beginn ihres Wachstums im FrĂŒhjahr hellgrĂŒn und dunkeln ĂŒber den Sommer nach, im Herbst fĂ€rben sie sich auffallend hellgelb bis goldgelb und fallen schließlich etwa Anfang November ab.cite-ref-sch-tt2004-8-5[8]

Nach einer weit verbreiteten Meinungcite-ref-9[9] haben die FÀcherblÀtter ihre charakteristische Gestalt aus zusammengewachsenen Nadeln wÀhrend ihrer Entwicklungsgeschichte geerbt. Das ist aber unwissenschaftlich und weder anatomisch noch entwicklungsbiologisch oder evolutionÀr belegbar.

Die Äste bilden Langtriebe und Kurztriebe aus. Die Langtriebe können je nach Bedingungen zwischen 20 und 100 Zentimeter im Jahr wachsen. Aus den Langtrieben wachsen versetzte (wechselstĂ€ndige) BlĂ€tter, aus deren BlattstielansĂ€tzen wiederum achselstĂ€ndige Knospen wachsen. Kurztriebe sind sehr langlebig – sie werden bis 60 Jahre alt und wachsen hĂ€ufig nur ein paar Millimeter im Jahr, weshalb sie kaum eine LĂ€nge von 20 Zentimeter erreichen. Kurztriebe können sich ganz unerwartet zu Langtrieben entwickeln.cite-ref-sch-tt2004-8-6[8]

Inhaltsstoffe der BlÀtter

Die BlĂ€tter, die als einzige Teile der Pflanze pharmazeutisch genutzt werden, enthalten rund 0,5 bis 1,8 Prozent Flavonoide: es sind dies Flavon- und Flavonolglykoside, acylierte Flavonolglykoside, Biflavonoide, Flavan-3-ole und Proanthocyanidine. Bei den beiden erstgenannten Gruppen treten als Aglykone vor allem Kaempferol, Quercetin und Isorhamnetin auf, in geringerem Ausmaß Apigenin und Luteolin.cite-ref-inhaltsstoffe-10-0[10]

Terpene sind zu 0,03 bis 0,25 Prozent vorhanden, vor allem als Terpenlactone. An Diterpenen sind die Ginkgolide A, B, C, J und M zu nennen. Das Sesquiterpen Bilobalid ist ein Abbauprodukt der Ginkgolide. Weitere Terpene sind Polyprenole und Steroide.cite-ref-inhaltsstoffe-10-1[10]

Des Weiteren kommen langkettige Kohlenwasserstoffe und deren Derivate vor: Alkohole, Aldehyde, Ketone und SĂ€uren.cite-ref-inhaltsstoffe-10-2[10]

Weitere Inhaltsstoffe sind alicyclische SÀuren (ShikimisÀure, ChinasÀure, AscorbinsÀure, GinkgolsÀure und HydroxyginkgolsÀure), Cyclite = cyclische Polyole (Pinit, Sequoyit), sowie Saccharose.cite-ref-inhaltsstoffe-10-3[10]

BlĂŒtenstĂ€nde, BlĂŒten und Samen

Der Ginkgo ist windbestĂ€ubt und blĂŒht im MĂ€rz, er ist zweihĂ€usig getrenntgeschlechtig (diözisch), es existieren also mĂ€nnliche und weibliche Pflanzen. Gelegentlich treten an mĂ€nnlichen oder weiblichen Baumexemplaren spontan einzelne Äste mit Anlagen des jeweils anderen Geschlechts auf, dies sind aber extrem seltene Ausnahmen (viel hĂ€ufiger gehen sie auf Manipulation durch Pfropfen zurĂŒck).cite-ref-11[11] Die BĂ€ume unterschiedlichen Geschlechts sind bis zur Geschlechtsreife, die erst im Alter zwischen 20 und 35 Jahren erfolgt, Ă€ußerlich nicht voneinander zu unterscheiden. Weibliche und mĂ€nnliche „BlĂŒten“ wachsen an den Achseln von Laub- und NiederblĂ€ttern aus mehrjĂ€hrigen Kurztrieben heran.cite-ref-sch-tt2004-8-7[8] Dabei sitzen die mĂ€nnlichen immer etwas basaler (weiter innen) als die weiblichen.cite-ref-12[12]

Ob die Fortpflanzungsorgane von Ginkgo als BlĂŒten bezeichnet werden oder nicht, hĂ€ngt von der Definition ab. Da es sich um nicht in Achseln von TragblĂ€ttern stehende, unverzweigte Kurztriebe handelt, ist die Zuordnung möglich. Vor allem im englischsprachigen Raum ist es aber ĂŒblich, BlĂŒten auf die Bedecktsamer zu beschrĂ€nken, außerdem weisen sie bei Ginkgo keine BlĂŒtenhĂŒlle auf. Sie werden daher hĂ€ufig, wie bei der Fortpflanzung der Koniferen, Strobili genannt. Morphologisch korrekt handelt es sich um Mikro- und Makrosporangiophore. Die Bezeichnung als BlĂŒten und BlĂŒtenstĂ€nde ist aber im deutschen Sprachraum durchaus ĂŒblich und verbreitet.

MĂ€nnliche BlĂŒten haben das Aussehen von 2 bis 3 cm langen KĂ€tzchen.cite-ref-sch-tt2004-8-8[8] Sie bestehen aus vielen an einer gestreckten Achse schraubig angeordneten StaubblĂ€ttern (Mikrosporophyllen). Die Mikrosporophylle bestehen aus einem dĂŒnnen Stiel (Staubfaden) mit zwei (manchmal bis zu vier) an der Spitze (einer kurzen runden Apikalerweiterung) hĂ€ngenden Mikrosporangien (PollensĂ€cken), in denen die Pollen gebildet werden. Die BlĂŒten treiben vor den eigentlichen BlĂ€ttern aus und fallen nach dem BestĂ€uben je nach Temperatur von Anfang April bis Ende Mai wieder ab. Der kahnförmige Pollen hat eine GrĂ¶ĂŸe von 30 ”m × 10 ÎŒm.cite-ref-vanbeek2000-13-0[13]

Die 2 bis 3 mm großen Samenanlagencite-ref-sch-tt2004-8-9[8] (weibliche BlĂŒten) stehen zu zweit an einem sich apikal gabelnden 1 bis 1,5 cm langen Stiel. Gelegentlich ist nur eine, in manchen FĂ€llen sind mehr als zwei zusĂ€tzliche Samenanlagen pro Stiel vorzufinden, von denen meist nur eine ausreift.cite-ref-vanbeek2000-13-1[13] Sie bestehen aus einem Ă€ußeren Integument mit einer als Mikropyle bezeichneten Öffnung im oberen Bereich. Im Inneren der Samenanlagen befindet sich das vom Integument umhĂŒllte Megasporangium (Nucellus), in dessen Innerem sich wiederum die funktionsfĂ€hige Megaspore befindet.cite-ref-strasburger2008-14-0[14]

Der nach der Befruchtung aus der Samenanlage entstandene Ginkgosamen Ă€hnelt Ă€ußerlich den Mirabellen und hat eine GrĂ¶ĂŸe von 20 bis 30 mm × 16 bis 24 mm. Er besteht aus einem inneren Embryo, eingebettet in das NĂ€hrgewebe (primĂ€res Endosperm) des weiblichen Gametophyten, das von drei Schichten umgeben ist: der dĂŒnnhĂ€utigen Innenschicht (Endotesta), einer harten verholzten Mittelschicht (Sklerotesta) und einer dicken Samenschale (Sarkotesta), die frĂŒher einmal das Integument der Samenanlage war. Die sich entwickelnde Samenschale ist bis zur Reife im Herbst grĂŒn, bei KĂ€lteeinbruch wird sie gelb, bis der Samen schließlich abfĂ€llt. Die Samenschale entwickelt im ausgereiften Zustand einen unangenehmen Geruch nach ranziger Butter. Verantwortlich dafĂŒr sind die in der Samenschale enthaltenen FettsĂ€uren ButtersĂ€ure und CapronsĂ€ure. Die ebenfalls enthaltenen Phenole können durch Austreten des Saftes zu Hautreizungen und Allergien fĂŒhren. Der Ginkgosamen ohne Samenschale (der Kern) hat eine GrĂ¶ĂŸe von 19 bis 30 mm × 11 bis 14 mmcite-ref-vanbeek2000-13-2[13] und ein Tausendkorngewicht von 1500 Gramm.cite-ref-sch-tt2004-8-10[8]

Genetik

Das diploide Genom des Ginkgo umfasst 2n = 24 Chromosomen. Weibliche und mÀnnliche Baumexemplare weisen in der Art ihrer Chromosomen erkennbare Unterschiede auf. Diese Unterschiede können mikroskopisch durch WurzelspitzenprÀparate nachgewiesen werden. Das kann sehr hilfreich sein, um recht junge Pflanzen meist neuer Zuchtsorten dem weiblichen oder mÀnnlichen Geschlecht zuordnen zu können. Weibliche Exemplare weisen ein heteromorphes (griechisch verschieden geformtes) Chromosomenpaar mit nur einem kleinen Satelliten auf, mÀnnliche BÀume dagegen haben nur automorphe Chromosomen.cite-ref-sch-tt2004-8-11[8]

Fortpflanzung

Der Befruchtungszeitpunkt liegt je nach Zeitpunkt der BestĂ€ubung zwischen Ende August und Ende September.cite-ref-sch-tt2004-8-12[8] Im Generationswechsel entspricht der Ginkgobaum dem Sporophyt der Farne und Moose. Allerdings werden die Sporen der weiblichen BĂ€ume nicht mehr in der Luft freigesetzt, sie sind vielmehr im Sporangium sesshaft geworden und relativ groß (genannt Megasporen; Megasporen gibt es auch bei diversen Algen).cite-ref-strasburger2008-14-1[14]

Die weiblichen BlĂŒten (Samenanlagen) entwickeln im Inneren der Megaspore (= Embryosackmutterzelle) einen extrem stark reduzierten Megagametophyten (= befruchtungsfĂ€higer Embryosack), der ĂŒber sein Megagametangium (Synergiden) einen Megagameten (Eizelle) erzeugt. Die Megasporen erhalten so viel Nahrung zugeteilt, dass sie spĂ€ter ohne selbststĂ€ndige ErnĂ€hrung Geschlechtszellen (Eizellen) entwickeln können. Der weibliche Gametophyt entsteht zunĂ€chst durch freie Kernteilungen, gefolgt von Zellwandbildung. Am Ende besteht der Gametophyt aus mehreren hundert Zellen und bildet meist zwei – selten auch drei – Archegonien. Der Gametophyt ist durch den Besitz von Chlorophyll grĂŒn gefĂ€rbt.cite-ref-strasburger2008-14-2[14]

Die Sporen der mĂ€nnlichen BĂ€ume (genannt Mikrosporen oder Pollen) erfahren noch im „Mikrosporangium“ ihre ersten mitotischen Teilungen. In der ersten Zellteilung entstehen durch zwei inĂ€quale Teilungen der Pollenzelle zwei Prothalliumzellen und eine Antheridienzelle. Aus dieser entstehen durch erneute Teilung die Pollenschlauchzelle und die generative Zelle.cite-ref-strasburger2008-14-3[14] In diesem Stadium wird das Pollenkorn aus dem Sporangium entlassen und als solches als stark reduzierter Mikrogametophyt (mehrzelliges Pollenkorn) vom Wind zum Megagametophyten geweht.cite-ref-vanbeek2000-13-3[13]

Im empfangsbereiten Stadium sondert das Integument an der Spitze (Mikropyle) eine fĂŒr die Fortbewegung der mĂ€nnlichen Geschlechtszellen nötige schleimige FlĂŒssigkeit (Pollinationströpfchen) ab. Sie entsteht durch Auflösung der Zellen unter der Mikropyle, wodurch auch eine Pollenkammer entsteht. Wenn das Pollenkorn das Pollinationströpfchen erreicht, absorbiert es Wasser und andere Substanzen aus der FlĂŒssigkeit; auf diese Weise wird es schwerer, wodurch es zum Ende der Empfangsbereitschaft mit der PollinationsflĂŒssigkeit in der Mikropyle eintrocknet und sich in die Pollenkammer zurĂŒckzieht. Durch das Eintrocknen wird auch die Mikropyle verschlossen.cite-ref-raven-15-0[15]cite-ref-vanbeek2000-13-4[13]

In der Pollenkammer keimt das Pollenkorn aus und bildet einen kurzen Pollenschlauch, der an seiner Spitze eine stark verzweigte, interzellular wachsende Struktur entwickelt, die das weibliche Gewebe (Nucellus) ĂŒber mehrere Monate durchdringt, als eine Art Haftorgan (Haustorium) dient und NĂ€hrstoffe aufnimmt, wodurch sich das Nucellusgewebe zwischen Pollenkammer und Archegonienkammer auflöst. WĂ€hrenddessen werden im Pollenschlauch die Spermien gebildet: die generative Zelle teilt sich in eine Stielzelle und in die spermatogene Zelle. Der mĂ€nnliche Gametophyt ist jetzt fĂŒnfzellig, bestehend aus zwei Prothalliumzellen, Pollenschlauchzelle, Stielzelle und spermatogener Zelle. Letztere teilt sich und bildet zwei Spermienzellen (Spermatozoide). Der Pollenschlauch ist nichts anderes als das Rudiment eines einstmals selbststĂ€ndig wachsenden Gametophyten. Vier Monate nach Auskeimen des Pollenkornscite-ref-sch-tt2004-8-13[8] schwillt das basale Ende des Pollenschlauches so weit an, bis es die Form eines sackartigen Gebildes annimmt, das in unmittelbarer NĂ€he zum Archegonium in der mit FlĂŒssigkeit gefĂŒllten Archegonienkammer zerplatzt und zwei vielgeißlige, schwimmfĂ€hige, sich selbststĂ€ndig bewegende Geschlechtszellen (Spermatozoiden) freisetzt. Der Ginkgo ist neben Palmfarnen die einzige rezente Samenpflanze mit Spermatozoiden. Die Spermien haben eine GrĂ¶ĂŸe von etwa 70–90 Mikrometer und wurden erstmals im Jahr 1895 bis 1898 von Sakugorƍ Hirase beschrieben.cite-ref-vanbeek2000-13-5[13] Nach Freilassung schwimmen die beiden Spermatozoiden auf die Archegonien zu. Ein Spermatozoid durchdringt die Archegonie und verschmilzt mit der Eizelle. Das ist eine fĂŒr Pflanzen sehr ursprĂŒngliche Entwicklung.cite-ref-raven-15-1[15] Meistens erfolgt die eigentliche Verschmelzung der Spermatozoiden mit der Eizelle erst Wochen nach dem Abfallen der Samenanlagen.cite-ref-strasburger2008-14-4[14]

Nach der Befruchtung teilt sich der Kern der Zygote rasch und bildet ĂŒber 1000 freie Zellkerne. Danach bilden sich die ZellwĂ€nde und aus dem Gewebe entwickelt sich schrittweise eine Wurzel, eine kleine stammartige Struktur von Zellen und zwei KeimblĂ€tter (Kotyledonen), deren Oberseiten nah zueinander platziert sind.cite-ref-strasburger2008-14-5[14]cite-ref-vanbeek2000-13-6[13]

Verbreitung und Standort

Als ursprĂŒngliches Verbreitungsgebiet werden die mesophytischen MischwĂ€lder, die einst das HĂŒgelland entlang des Jangtsekiang bedeckten, genannt. In Dokumenten aus dem 11. Jahrhundert wird als Ursprungsgebiet eine Region sĂŒdlich des Jangtsekiang genannt, die dem heutigen Ningguo-Distrikt in der Provinz Anhui entspricht.cite-ref-sch-tt2004-8-14[8] NatĂŒrliche Populationen sind nur aus dem SĂŒdwesten Chinas bekannt. Die Populationen an den SĂŒdhĂ€ngen des Jinfo-Gebirges in der Stadt Chongqing weisen im Vergleich mit anderen Populationen in China eine ausgeprĂ€gte genetische DiversitĂ€t auf und gelten daher als natĂŒrlich. In den angrenzenden Gebieten der Provinz Guizhou sind zahlreiche kleine Populationen vorhanden, die ebenfalls als natĂŒrliche Vorkommen des Ginkgos angesehen werden.cite-ref-16[16] Die lange Zeit als natĂŒrliches Vorkommen geltende Population auf dem Westgipfel des Tianmu Shan im Nordwesten der Provinz Zhejiang ist aller Wahrscheinlichkeit nach auf Anpflanzungen durch buddhistische Mönche zurĂŒckzufĂŒhren.cite-ref-17[17]

Wie die meisten BĂ€ume geht auch der Ginkgo eine Symbiose mit verschiedenen Mykorrhiza-Pilzen ein, unter anderem mit Glomus epigaeum.cite-ref-fontana-18-0[18] Er ist sehr unempfindlich gegenĂŒber Luftschadstoffen und eignet sich deshalb sehr gut als Straßen- und Parkbaum. Des Weiteren ist er weitgehend resistent gegen Insektenfraß sowie von Pilzen, Bakterien oder Viren ausgelöste Krankheiten, ertrĂ€gt Temperaturen von bis zu −30 °C und wĂ€chst sowohl auf sauren wie alkalischen Böden, wobei bei ersteren meist ein schlechteres Wachstum zu erkennen ist. Sehr nasse, aber auch ĂŒbermĂ€ĂŸig trockene Böden werden dagegen nicht toleriert.

In den USA zeigten angepflanzte GinkgobĂ€ume ein gutes Wachstum bei reichhaltigen, ĂŒber das ganze Jahr verteilten NiederschlĂ€gen. Bei kalten Winden, subtropischen und sehr hohen Temperaturen wĂ€hrend der Vegetationsperiode war dagegen schlechtes Wachstum zu erkennen.cite-ref-sch-tt2004-8-15[8]

Herbivore und Krankheiten

Der Ginkgo weist eine hohe Resistenz gegenĂŒber Krankheiten und Herbivoren auf, keine Einzelspezies wird fĂŒr sich allein als Bedrohung erachtet. Krankheitserreger wie Pilze, Bakterien oder Viren sind nur im Keimlingsstadium oder bei sehr geschwĂ€chten Pflanzen zu beobachten. In Bezug auf Insekten ist der Ginkgo einer der am wenigsten anfĂ€lligen BĂ€ume ĂŒberhaupt. Es konnte weder im ursprĂŒnglichen Lebensraum (Ostasien) noch in Nordamerika oder Europa eine natĂŒrliche RĂ€uberfauna entdeckt werden.cite-ref-press2-19-0[19]

Die Resistenz des Ginkgo gegenĂŒber Pilzen lĂ€sst sich zum Teil durch einen wachsartigen Stoff in der Kutikula der BlĂ€tter erklĂ€ren, der die Sporenkeimung und das Wachstum des Keimschlauches einiger Pilze verringert und somit ein Eindringen der Pilze in die Kutikula verhindert. Des Weiteren enthalten die BlĂ€tter 2-Hexenal, das fungizidische Eigenschaften aufweist. 2-Hexenal ist in niedriger Konzentration vorhanden und kann durch Wasserdampfdestillat der BlĂ€tter abgetrennt werden. In seltenen FĂ€llen konnten Fusarium sp. und Macrophomina phaseoli entdeckt werden, bei der es zur Wurzel- und StammfĂ€ule kommt.cite-ref-press2-19-1[19]

Die hohe ImmunitÀt gegen Bakterien- und Virusattacken wird zum einen durch den SÀuregrad der BlÀtter erklÀrt, der ihn resistent gegen Bakterien wie Pseudomonas phaseolicola, Escherichia coli, Bacillus pumilus und Xanthomonas phaseoli macht. Zum anderen konnte durch Studien festgestellt werden, dass das Wachstum des Tabakmosaik- und Bohnenmosaikvirus durch Wirkstoffe aus den Wurzeln erheblich inhibiert wird.cite-ref-press2-19-2[19]

BlĂ€tter, Holz und Wurzeln sind fĂŒr fast alle Insekten mehr oder weniger toxisch. So werden in Japan und China BlĂ€tter des Ginkgobaums als Lesezeichen verwendet, um BĂŒcher vor Silberfischen und Insektenlarven zu schĂŒtzen. Z. B. sterben JapankĂ€fer eher an UnterernĂ€hrung als frische GinkgoblĂ€tter zu fressen. Die sĂ€urehaltigen BlĂ€tter bilden bei BeschĂ€digungen verstĂ€rkt 2-Hexenale, die zusammen mit Substanzen wie Ginkgolid A, Bilobalid und GinkgolsĂ€ure als aktivste Bestandteile der BlĂ€tter gegenĂŒber Insekten ermittelt wurden. Vereinzelt konnten bei jungen, alten und stark geschĂ€digten Pflanzen einige SchĂ€dlinge identifiziert werden. Selten vorkommende Insekten sind der Mittelmeer-Nelkenwickler (Cacoecimorpha pronubana) und die Larve des MaiszĂŒnslers (Ostrinia nubilalis), die sich von den BlĂ€ttern ernĂ€hren, sowie Brachytrupes portentosus, Agrotis ypsilon und Gulcula panterinaria, die sich in vereinzelten FĂ€llen von den Setzlingen ernĂ€hren.cite-ref-press2-19-3[19]

Tiere wie Schnecken, Nacktschnecken, MĂ€use, Kaninchen, Hasen oder Hirsche gehören bei Jungpflanzen zu den bedeutendsten Fraßfeinden. Sie fressen die BlĂ€tter, Wurzeln oder die Rinde im unteren Bereich des Baums ab, was oft zum Absterben der Pflanze fĂŒhrt. Bei SĂ€mlingen besteht zudem die Gefahr der Zerstörung durch Vögel.cite-ref-press2-19-4[19]

Etymologie und Nomenklatur

Der Name Ginkgo leitet sich vom chinesischen YĂ­nxĂŹng (chin. 銀杏 / 银杏) her, dessen sinojapanische Aussprache Ginkyƍ (jap. phonographisch ゼンキョォ) ist. Es handelt sich um eine Kombination der Schriftzeichen „gin = Silber“ (Kanji 銀) und „kyƍ = Aprikose“ (Kanji 杏), ein Hinweis auf die silbrig schimmernden Samenanlagen. Der Name ist fĂŒr das Jahr 1578 erstmals bezeugt. Nach Europa gelangte er durch den deutschen Arzt und Japanforscher Engelbert Kaempfer, der, angeregt durch Andreas Cleyer und andere Gelehrte, in Batavia wĂ€hrend seines zweijĂ€hrigen Aufenthalts in Japan (1690 bis 1691) umfangreiche Untersuchungen zur Pflanzenwelt des Archipels durchfĂŒhrte. Einen großen Teil seiner Forschungsergebnisse publizierte er unter dem Titel „Flora Japonica“ in seinem Werk Amoenitatum Exoticarum (Lemgo, 1712). Nahezu alle Pflanzen hatte er in Japan zeichnerisch festgehalten. Da er Wert auf die Wiedergabe der einheimischen Namen legte, ließ er sich diese von Japanern im bebilderten Wörterbuch Kinmƍzui (jap. èš“è’™ć›łćœ™) anzeigen. Die chinesischen Schriftzeichen wurden fĂŒr den Druck aus diesem Buch kopiert, bei der Wiedergabe der Lesung Ginkyƍ in lateinischer Schrift jedoch unterlief Kaempfer ein Schreibfehler. Gewöhnlich notierte er die heute als „kyo“ transliterierte Silbe in der Form „kjo“, doch hier schrieb er aus ungeklĂ€rten GrĂŒnden in völlig atypischer Weise „kgo“. Ohne diesen Schreibfehler wĂŒrde der „Silber-Aprikosenbaum“ heute wohlklingend „Ginkjo“ heißen, statt mit der harten Buchstabenfolge „Ginkgo“.cite-ref-michel-20-0[20]cite-ref-21[21] Diese Form wurde 1771 von Carl von LinnĂ© bei der Erstveröffentlichung der Gattung ĂŒbernommen und ist damit unverĂ€nderbarer Bestandteil der Nomenklatur.cite-ref-22[22] Das von ihm fĂŒr die Art gewĂ€hlte Artepitheton biloba weist auf die Zweilappigkeit des Blattes hin. Als Trivialname ist seit der Rechtschreibreform neben „Ginkgo“ auch die Schreibweise „Ginko“ zulĂ€ssig.

Ein Synonym von Ginkgo biloba L. ist Salisburia adiantifolia Sm. Der englische Botaniker James Edward Smith schlug 1797 den Gattungsnamen Salisburia vor und wollte damit den Botaniker Richard Anthony Salisbury ehren. 1824 kam noch der Name Salisburia biloba (L.) Hoffmanns hinzu. Der Name konnte sich aber nicht gegen den international anerkannten Namen Ginkgo biloba durchsetzen, so dass Salisburia ein Synonym blieb. Weitere Synonyme sind: Ginkgo macrophylla K.Koch, Pterophyllus gingko K.Koch, Salisburia macrophylla Reyn., Salisburia ginkgo Rich. und Pterophyllus salisburiensis J.Nelson.cite-ref-tropicos-23-0[23]cite-ref-powo-24-0[24]

In der heutigen japanischen Sprache nennt man den Baum gewöhnlich Ichƍ, die Samen Ginnan, ebenfalls 銀杏 geschrieben. Wegen der chaotischen VerhĂ€ltnisse bei der Übernahme chinesischer Bezeichnungen vor und wĂ€hrend der Edo-Periode notieren botanische Texte in Japan den Namen meist nur phonographisch ă‚€ăƒăƒ§ă‚Š geschrieben. Hier und da findet man die Lesung jedoch auch fĂŒr die Schriftzeichen 銀杏. Dies ist linguistisch eigentlich falsch, denn Ichƍ stammt von dem alternativen chinesischen Namen YājiǎoshĂč (chin. éŽšè…łæšč / 鞭脚树 – „Entenfuß-Baum“), der auf die Form der BlĂ€tter anspielt. In chinesischen Texten findet man auch die Bezeichnungen BĂĄiguǒ (chin. 癜果 – „weiße Frucht“) und „Großvater-Enkel-Baum“ (GƍngsĆ«nshĂč, chin. ć…Źć­«æšč / ć…Źć­™æ ‘). Letztere bezieht sich auf die lange Zeit, die verstreicht, bis ein neu gesetzter Baum die ersten Samen trĂ€gt.cite-ref-michel-20-1[20] Weitere ins Deutsche ĂŒbersetzte Namen waren Elefantenohrbaum, Entenfußbaum, MĂ€dchenhaarbaumcite-ref-25[25], FĂ€cherblattbaum (eine Anspielung auf die BlĂ€tter die denen der Frauenhaarfarne (Adiantum) Ă€hneln), Chinesischer Tempelbaum (wegen der hĂ€ufigen Pflanzungen in buddhistischen Tempelncite-ref-karasek-26-0[26]) und Beseeltes Ei, Mandelfrucht, Weißnuss, Nuss-Aprikose, was auf das Aussehen oder die Form der Samen zurĂŒckgeht.cite-ref-marix-27-0[27]

Nutzung

Nutzung als Zierbaum

Der Ginkgo fand ab etwa 1000 n. Chr. in ganz Ostasien als Tempelbaum Verbreitung und gelangte dabei auf die Koreanische Halbinsel sowie nach Japan.

Von Japan aus gelangten die ersten Ginkgo-Pflanzen um 1730 nach Europa und wurden im botanischen Garten der UniversitĂ€t Utrecht in den Niederlanden aufgezogen. 1754 gelangten Exemplare von Utrecht nach Kew Gardens in England. In die Vereinigten Staaten (Philadelphia) wurden die ersten Exemplare 1784 gebracht. Heute stellt der Ginkgo in den meisten gemĂ€ĂŸigten Zonen eine wichtige und gute Alternative zu anderen Straßen- und ParkbĂ€umen dar und wird auch sehr gern angepflanzt.cite-ref-sch-tt189-28-0[28]

Der möglicherweise Ă€lteste Ginkgo-Baum Deutschlands, der Ginkgo in Rödelheim, wurde angeblich um das Jahr 1750 gepflanzt und steht im Frankfurter Stadtteil Rödelheim. Der Schlosspark Harbke (Sachsen-Anhalt) hat in seinem umfangreichen Baumbestand ebenfalls einen der Ă€ltesten deutschen Ginkgos, der um das Jahr 1758 gepflanzt worden sei. Im Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel befinden sich weitere alte Ginkgos, die angeblich um das Jahr 1780 gepflanzt wurden. Auch in Mannheim und Dresden gibt es sehr alte Ginkgos ohne weitere Jahresdaten. Im Botanischen Garten Jena wĂ€chst am FĂŒrstengraben neben dem Alten Inspektorenhaus ein angeblich Ende des 18. Jahrhunderts angepflanzter Ginkgo, dessen Pflanzung angeblich auf Johann Wolfgang von Goethe zurĂŒckgeht. Innerhalb des Gartens steht am sogenannten „Mittelberg“ neben einem mĂ€nnlichen Ginkgo ein weibliches Exemplar. In Leipzig steht ein ohne weitere Jahresdaten von Willmar Schwabe gepflanzter weiblicher Baum. In Weimar befindet sich in der Puschkinstrasse hinter dem FĂŒrstenhaus Weimar der „Goethe-Ginkgo“, den Goethe um das Jahr 1815 vom HofgĂ€rtner Sckell pflanzen ließ.cite-ref-29[29]

Aufgrund seiner Resistenz gegen SchĂ€dlingsbefall und seiner Anspruchslosigkeit wird der Ginkgo inzwischen weltweit als Stadtbaum angepflanzt. In Berlin hat langjĂ€hrige Kultur als Straßenbaum gezeigt, dass er resistent gegen Autoabgase und Streusalz ist, in jungen Jahren allerdings auch empfindlich gegen Frost.

Der unangenehme Geruch der Samen nach ButtersĂ€ure fĂŒhrt dazu, dass in Europa vornehmlich mĂ€nnliche GinkgobĂ€ume aus Stecklingen angepflanzt werden, wĂ€hrend man in China und Japan – genau umgekehrt – vorwiegend weibliche BĂ€ume (siehe Nutzung als Nahrungsmittel) als Allee- und StraßenbĂ€ume pflanzt und dabei, um eine Befruchtung zu erleichtern, mĂ€nnliche und weibliche BĂ€ume nebeneinander setzt.

Die Vermehrung des Ginkgo erfordert von einem GĂ€rtner viel Geduld: Ginkgosamen keimen zwar ohne Probleme selbst auf einer Fensterbank, bis zu ihrer Keimung aber können mehr als zwei Jahre vergehen, und auch nur etwa 30 Prozent aller Stecklinge gehen, nach ebenfalls sehr langer Zeit, an, wobei sie außerdem meist schwachwĂŒchsiger sind als SĂ€mlingspflanzen. Hinzu kommt, dass der Ginkgo empfindlich auf Verpflanzungen reagiert.

FĂŒr die Aussaat bestimmte Samen sammelt man im SpĂ€therbst unter weiblichen BĂ€umen, die, um die Befruchtung der Samen zu gewĂ€hrleisten, in weniger als 100 Metern Entfernung von einem mĂ€nnlichen Baum stehen. Anschließend muss zunĂ€chst die Ă€ußere, fleischige SamenhĂŒlle (Sarkotesta) sorgfĂ€ltig entfernt werden, wobei der Saft der Sarkotesta zu Hautreizungen und Allergien fĂŒhren kann.cite-ref-tomb1988-30-0[30] Die so gereinigten Samen werden anschließend gegebenenfalls noch einmal durch Stratifikation fĂŒr die darauffolgende Aussaat vorbereitet.

Nutzung von Zuchtsorten

Damit der Ginkgo den Anforderungen als Samenlieferant, der Verwendung in der Medizin und den immer stĂ€rker steigenden Anforderungen als Straßen- und Zierbaum gerecht werden kann, werden immer mehr Zuchtsorten (Cultivare) selektiert. In China selektierte man allein 28 Sorten wegen ihrer ĂŒberlegenen SamengrĂ¶ĂŸe, Samenform sowie des ĂŒberlegenen Samenertrags. Eine weit verbreitete Vermehrungsart der Zuchtsorten stellt die Pfropfung dar, bei der die Pflanzen bereits mit fĂŒnf Jahren Samen tragen (Fruktifizieren). Ein hĂ€ufig verwendeter Cultivar ist ‚Dafushon‘, der bereits mit 15 Jahren JahresertrĂ€ge von 5 bis 10 kg und mit 50 Jahren zwischen 50 und 100 kg erzielt. Ein weiterer oft genutzter Cultivar ist ‚King of Dongling‘ mit einem Tausendkorngewicht von etwa 2800 g.cite-ref-sch-tt2004-8-16[8]

Nach den fast nur in Asien angebauten Frucht-Cultivaren werden seit 1980 in den USA und Frankreich in großem Umfang Cultivare zur reinen BlĂ€tter-Gewinnung angebaut. Verwendet werden dabei Inhaltsstoffe wie Ginkgolide und Bilobalide, die aus den BlĂ€ttern gewonnen werden und in der Humanmedizin Verwendung finden (siehe Medizinische Nutzung). Die entsprechenden BĂ€ume werden direkt nach dem Ernten der BlĂ€tter kurz ĂŒber dem Boden zurĂŒckgeschnitten, um eine Höhe von ĂŒber drei Metern zu vermeiden. Im Normalfall erreichen die BĂ€ume dann bis zum nĂ€chsten Jahr wieder eine Höhe von einem Meter, die so von Jahr zu Jahr konstant gehalten werden kann.

Da der Bedarf an Ginkgoholz relativ gering ist und nur selten Ginkgos zur reinen Holzgewinnung angebaut werden, wurden noch keine Cultivare zur reinen Holzgewinnung selektiert.

Neben der Selektierung von neuen Ginkgo-Sorten fĂŒr medizinische Zwecke und zur reinen Samen-Gewinnung wurden die meisten Cultivare fĂŒr die Nutzung als Zier- und Straßenbaum selektiert.cite-ref-sch-tt2004-8-17[8]

Nutzung als Nahrungsmittel

In Asien wurden mehrere Zuchtreihen des Ginkgobaumes mit verschiedenen QualitĂ€ten als Nahrungspflanze gezĂŒchtet. Genutzt wird der Kern des Samens, dieser muss jedoch gegart werden. In Japan dienen die geschĂ€lten (daher von Sarkotesta und Sklerotesta befreiten) Ginkgosamen (in kleinen Mengen) als Beilage zu verschiedenen Gerichten. Sie werden teilweise im Reis mitgekocht, als Einlage in einem Eierstich-Gericht verwendet oder geröstet und gesalzen als Knabberei verzehrt. Dazu werden die Samen von ihrer harten Schale befreit, nur der gelbe Innenkern wird verwendet. In Europa sind Ginkgosamen meist nur als Konserven erhĂ€ltlich. Geröstete und gehackte Kerne dienen als GewĂŒrz in der asiatischen KĂŒche. Die Samen enthalten 37,8 % Kohlenhydrate, 4,3 % Proteine und 1,7 % Fett. Ein Übermaß an Ginkgosamen kann zu Vergiftungserscheinungen fĂŒhren, da diese den Vitamin-B6-Antagonisten 4-Methoxypyridoxin enthalten.cite-ref-kajiyama-31-0[31] Durch Erhitzen kann dieser zu 4â€Č-O-Methylpyridoxin-5-glycosid (MPNG) konvertiert und durch Fermentation weitgehend abgebaut werden, was den gesundheitlichen Nutzen und das Sicherheitsprofil des Ginkgo-biloba-Kernsafts signifikant verbessert.cite-ref-32[32] Im 11. Jahrhundert n. Chr. sollen diese „NĂŒsse“ so geschĂ€tzt worden sein, dass der Kaiser von China die Samen als Tributzahlung von den sĂŒdöstlichen Provinzen forderte.

Medizinische Nutzung

Verwendung finden Spezialextrakte aus den GinkgoblĂ€ttern. Diese sind an den erwĂŒnschten Wirkstoffen (Ginkgolide, Terpenlactone) angereichert, an den unerwĂŒnschten Stoffen (besonders GinkgolsĂ€ure) abgereichert. Die Kommission E kennzeichnet den Trockenextrakt aus GinkgoblĂ€ttern mit einem Droge-Extrakt-VerhĂ€ltnis von 35:1 bis 67:1; einem Gehalt von 22 bis 27 % Flavonglykosiden und 5 bis 7 % Terpenlactonen; und unter 5 ppm GinkgolsĂ€ure. Die Definition von Ginkgotrockenextrakt (Ginkgo extractum siccum raffinatum et quantificatum) nach dem EuropĂ€ischen Arzneibuch ist sehr Ă€hnlich. FĂŒr die Behandlung von Demenz sind in Deutschland nur derartige Extrakte verkehrsfĂ€hig. Die meisten pharmakologischen Untersuchungen wurden mit den Extrakten EGb 761 und LI 1370 durchgefĂŒhrt.cite-ref-pharmakognosie-33-0[33] Bei Ginkgo-basierten NahrungsergĂ€nzungsmitteln, etwa aus SupermĂ€rkten oder aus Drogerien, ist die gewĂŒnschte Wirksamkeit unklar, da deren QualitĂ€t oft fragwĂŒrdig istcite-ref-34[34] und wissenschaftliche Studien fehlen.

Anwendungsgebiete

Ginkgospezialextrakte werden nach der ATC-Klassifikation der WHO zu den Antidementiva gezĂ€hlt. FrĂŒhere Monografien der Kommission E (1994) und der European Scientific Cooperative on Phytotherapy (2003) beurteilten die Anwendung von Ginkgospezialextrakten bei folgenden Indikationen als positiv:cite-ref-pharmakognosie-33-1[33]

‱ zur symptomatischen Behandlung von hirnorganisch bedingten Leistungsstörungen. Wichtigste Symptome sind GedĂ€chtnisstörungen, Konzentrationsstörungen, Schwindel, Ohrensausen und Kopfschmerzen. Zielgruppe sind besonders Personen mit primĂ€rer degenerativer Demenz, mit vaskulĂ€rer Demenz oder Mischformen aus beiden;
‱ zur symptomatischen Behandlung von arteriellen Durchblutungsstörungen;
‱ bei Schwindel (Vertigo) und OhrgerĂ€uschen (Tinnitus).

Der Ausschuss fĂŒr pflanzliche Arzneimittel der EuropĂ€ischen Arzneimittel-Agentur (EMA) veröffentlichte 2015 eine Monografie mit folgenden anerkannten Indikationen:cite-ref-35[35]cite-ref-36[36]

‱ Verbesserung altersbedingter kognitiver EinschrĂ€nkungen, Verbesserung der LebensqualitĂ€t („well-established use“)
‱ bei schweren Beinen, kalten HĂ€nden und FĂŒĂŸen im Zusammenhang mit leichten Durchblutungsstörungen („traditional use“)

Der Schwerpunkt liegt heute bei der Behandlung der Demenz. Ginkgo-Arzneimittel können Ă€hnlich wie Acetylcholinesterase-Hemmer beziehungsweise Cholinesterasehemmer, die eine Zunahme der Konzentration von Acetylcholin bewirken, fĂŒr einen gewissen Zeitraum kognitive Parameter verbessern, also die geistige LeistungsfĂ€higkeit steigern und das Zurechtkommen im Alltag erleichtern, wodurch auch die Belastung der Angehörigen reduziert wird. CHE-Hemmer sind von der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft als Mittel erster Wahl definiert. In der aktuellsten internationalen Leitlinie der World Federation of Societas of Biological Diseases werden Ginkgo-Arzneimittel als gleichwertig effektiv zu CHE-Hemmern und Memantin und vertrĂ€glicher beurteilt.cite-ref-37[37]

In deutschsprachigen Leitlinien finden sich Empfehlungen zur Anwendung von Spezialextrakten bei:

‱ Demenzen (deutsche S3-Leitlinie 2016)cite-ref-38[38]
‱ vaskulĂ€ren Demenzen (deutsche S1-Leitlinie 2016)cite-ref-39[39]
‱ leichten bis mittleren Alzheimer-Demenzen (österreichisches Konsensus-Statement 2014)cite-ref-40[40]
‱ behavioralen und psychologischen Symptomen der Demenz (BPSD) (Schweiz 2014)cite-ref-41[41]

Laut einer 2014 publizierten französischen Studie scheinen auch Patienten, welche an der Alzheimer-Krankheit leiden, von der parallelen Einnahme von Ginkgo-Arzneimitteln neben den klassischen Cholinesterase-Hemmern zu profitieren.cite-ref-pmid24548724-42-0[42] Insgesamt gilt die medikamentöse Therapie von Demenz-Kranken heute noch als sehr bescheiden.cite-ref-pharmakognosie-33-2[33]

Eine weitere Indikation sind leichte kognitive BeeintrĂ€chtigungen (MCI, mild cognitive impairment), die ĂŒberwiegend auf normalen Alterungsprozessen beruhen und bei einem Teil der Patienten (10 bis 20 Prozent) zu einer Demenz voranschreiten.cite-ref-pharmakognosie-33-3[33]

Insgesamt gibt es ĂŒber 40 klinische Studien zu GinkgoprĂ€paraten (u. a. die verschreibungspflichtigen Rezirkane, Symfona, Tebokan und das apothekenpflichtige Tebonin), wobei nur wenige die strengen Richtlinien fĂŒr hochwertige klinische PrĂŒfungen erfĂŒllen. Einige dieser Studien fanden signifikante Vorteile der Ginkgo-Therapie, andere keinen.cite-ref-pharmakognosie-33-4[33] Eine Metaanalyse von 2010 etwa ergab, dass ein Ginkgo-Arzneimittel zwar wirksamer sei als ein Schein-Medikament, der Effekt jedoch wie bei allen anderen Demenz-PrĂ€paraten moderat ausfalle und die klinische Bedeutung dieses Effektes wie generell bei Antidementiva schwer zu bestimmen sei.cite-ref-43[43]

Das Institut fĂŒr QualitĂ€t und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen untersuchte 2008 im Rahmen einer Arzneimittelbewertungcite-ref-44[44] Studien und Unterlagen zum PrĂ€parat EGb 761. Auf Grundlage der sieben bewerteten Studien kam es zu dem Schluss, dass es bei der Behandlung der Alzheimer-Krankheit einen Beleg fĂŒr einen Nutzen beim Therapieziel „AktivitĂ€ten des tĂ€glichen Lebens“ gebe, sofern 240 mg Extrakt tĂ€glich eingenommen werden. FĂŒr die Therapieziele „kognitive FĂ€higkeiten“ und „allgemeine psychopathologische Symptome“ sowie fĂŒr das angehörigenrelevante Therapieziel „LebensqualitĂ€t der (betreuenden) Angehörigen“ (gemessen am emotionalen Stress der Angehörigen) gebe es bei derselben Dosierung dagegen nur einen Hinweis auf einen Nutzen.cite-ref-pharmakognosie-33-5[33] Die NeutralitĂ€t der untersuchten Studien ist jedoch umstritten.cite-ref-a-t-3-09-45-0[45]

Die S3-Leitlinie Chronischer Tinnitus der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften von 2015 kommt zu dem Schluss, dass es keine Evidenz fĂŒr die Wirksamkeit von Ginkgo-PrĂ€paraten bei Tinnitus gibt, und spricht deswegen keine Empfehlung aus.cite-ref-46[46]

Wirkungen

Auf Ginkgospezialextrakte sollen angeblich folgende Hauptwirkungen zutreffen:cite-ref-pharmakognosie-33-6[33]

‱ Neuroprotektion
‱ Verbesserung der GedĂ€chtnisleistung und des Lernvermögens.
‱ Förderung der zerebralen Neurotransmission und Minderung derart altersbedingter Neurotransmissionsdefekte.
‱ Förderung der Durchblutung und Verbesserung der Fließeigenschaften des Blutes.

Neue Arbeiten untersuchen vorwiegend die Wirkung von Ginkgoextrakten auf das Zentralnervensystem. Ältere Arbeiten untersuchten eher die durchblutungsfördernde Wirkung.

Wirkmechanismen

Die Ginkgoextrakte haben zum einen RadikalfĂ€ngereigenschaften. Diese Wirkung gegen reaktive Sauerstoffspezies wird vor allem durch die Flavonoide vermittelt; zum anderen hemmen sie den plĂ€ttchenaktivierenden Faktor (PAF) im Blut, der eine Rolle etwa bei EntzĂŒndungen spielt. Mit diesen zwei Mechanismen können jedoch viele der beobachteten Wirkungen nicht erklĂ€rt werden. Zudem besitzt die Reinsubstanz mit der stĂ€rksten neuroprotektiven Wirkung, das Bilobalid, keine dieser beiden Eigenschaften.cite-ref-pharmakognosie-33-7[33]

Eine wesentliche Rolle dĂŒrften daher auch die Effekte der Inhaltsstoffe auf die Genexpression haben. Der Extrakt EGb 761 verĂ€ndert die Expression von mindestens 155 Genen in Microarray-Studien. Darunter befinden sich Transkriptionsfaktoren, Gene fĂŒr antioxidative Enzyme, Mitochondrienproteine und Proteine der DNA-Synthese und -Reparatur. Als weiterer Mechanismus wird ein Einfluss der Terpenlactone auf verschiedene Rezeptoren diskutiert.cite-ref-pharmakognosie-33-8[33]

Die Interaktion von Ginkgoextrakten mit dem plĂ€ttchenaktivierenden Faktor (PAF) wird mit einer Reihe von Effekten auf Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems, der Nieren und des zentralen Nervensystems in Verbindung gebracht.cite-ref-pmid8691847-47-0[47] Der Inhaltsstoff Ginkgolid B scheint am stĂ€rksten fĂŒr diese Wirkung verantwortlich zu sein.cite-ref-pmid17927900-48-0[48]

In Versuchen zeichnen sich Extrakte aus Ginkgo biloba durch östrogenecite-ref-ginkgo-st-49-0[49] als auch anti-östrogenecite-ref-anti-str-50-0[50] Wirkung ĂŒber eine Interaktion mit dem Östrogenrezeptor aus.

UnerwĂŒnschte Wirkungen, Gesundheitsrisiken

An unerwĂŒnschten Wirkungen werden als sehr selten auftretend Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen und allergische Hautreaktionen beschrieben. Einzelne Blutungen bei Langzeitbehandlungen konnten nicht in ursĂ€chlichen Zusammenhang mit Ginkgoextrakten gebracht werden.cite-ref-pharmakognosie-33-9[33] Ginkgo-Extrakt selbst hat keinen Einfluss auf die Blutgerinnung.cite-ref-kellermann-51-0[51]

Allerdings besteht laut Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft, ausgehend von mehreren Fallberichten ihrer Datenbank, bei Kombination mit Gerinnungshemmern (wie orale Antikoagulanzien oder Thrombozytenfunktionshemmer) eine erhöhte Blutungsgefahr, ebenso bei einer vererbten oder erworbenen Gerinnungsstörung.cite-ref-52[52] Die einzelnen Berichte ĂŒber Blutungen belegen jedoch nicht zweifelsfrei, dass es hier einen kausalen Zusammenhang gab, da meist andere, gerinnungshemmende Medikamente eingenommen wurden.cite-ref-kellermann-51-1[51]

In vielen Ginkgo-haltigen Arzneimitteln und Tees ist in nennbaren Mengen der Störstoff GinkgolsĂ€ure enthalten. Da die Konzentration von GinkgolsĂ€ure in Teeprodukten im Gegensatz zu Arzneimitteln bisher keiner Kontrolle unterliegt, werden Ginkgo-haltige Tees als potentiell gesundheitsgefĂ€hrdend diskutiert. GinkgolsĂ€ure kann schwere Allergien und MagenschleimhautentzĂŒndungen hervorrufen. Auch cytotoxische, neurotoxische und mutagene Wirkungen wurden nachgewiesen.cite-ref-pharmazeitung-53-0[53]cite-ref-54[54]

In einer Studie des National Toxicology Programs der National Institutes of Health wurde 2013 im Tierversuch eine erhöhte Rate an Leber- und SchilddrĂŒsenkrebs beobachtet, wobei diese Versuche mit sehr hohen Dosen von bis zu 2000 mg/kg Körpergewicht durchgefĂŒhrt wurden, die beim Menschen gewöhnlich bei weitem nicht erreicht werden.cite-ref-ntp-55-0[55]

Nutzung in der Traditionellen Chinesischen Medizin

Im Gegensatz zur wissenschaftlich-pharmakologischen Nutzung werden in der Traditionellen Chinesischen Medizin nicht nur die BlÀtter, sondern auch die Samen und Wurzeln des Baumes genutzt.cite-ref-komet1-56-0[56]

Anwendungsgebiete der Samen

Die Samen werden bei Husten, Blaseninfektionen, Asthma, Tuberkulose, Alkoholvergiftungen, BlÀhungen, Gonorrhöe sowie bei hÀufigem und schmerzhaftem Wasserlassen angewendet.cite-ref-komet1-56-1[56]

Eingenommen wird hierbei eine Abkochung der von Sarkotesta und Sklerotesta befreiten Ginkgosamen, die nach dem Kochen ohne Samen eingenommen wird.cite-ref-komet1-56-2[56] Gegen starke asthmoide Atemnot, Schleimbildung und Husten können die Samen in gerösteter oder gekochter Form auch pur angewendet werden, wobei bei regelmĂ€ĂŸiger Einnahme aufgrund von geringen Anteilen des Vitamin-B6-Antagonisten 4-Methoxypyridoxincite-ref-kajiyama-31-1[31] 6–10 g/Tag nicht ĂŒberschritten werden sollten.cite-ref-komet2-57-0[57]

Anwendungsgebiete der Wurzeln

Die Wurzeln werden bzw. wurden bei nĂ€chtlichen Pollutionen und Menstruationsstörungen angewendet. Sie sollen bei BlĂ€hungen helfen und den Magen stĂ€rken, wirken anregend und zusammenziehend.cite-ref-komet1-56-3[56] Eingenommen wird hierbei eine Abkochung, die nach dem Kochen ohne Wurzeln vor dem Essen eingenommen wird. Eine Überdosierung der Wurzel wie bei den Samen ist nicht möglich.cite-ref-komet1-56-4[56]

Systematik

Die GinkgogewĂ€chse gehören weder zu den Nadel- noch zu den LaubbĂ€umen, sondern bilden eine eigene Gruppe. Obwohl der Ginkgo auf den ersten Blick Ähnlichkeit mit LaubbĂ€umen (Bedecktsamer) hat, ist er mit den NadelbĂ€umen nĂ€her verwandt und wird deshalb wie sie zu den Nacktsamern gezĂ€hlt. Der Ginkgo wird in eine eigene Klasse eingeordnet, in die Klasse Ginkgoopsida (oder Ginkgophyta). Von der Klasse Coniferopsida unterscheidet er sich durch die abweichenden Strukturen der generativen Organe, insbesondere der begeißelten Spermatozoiden. Von der Klasse der Palmfarne (Cycadopsida) unterscheidet er sich vor allem durch die Anatomie der vegetativen Organe. Die Ginkgoopsida enthalten wiederum eine einzige Ordnung, die Ginkgoartigen (Ginkgoales), deren einzige Familie die GinkgogewĂ€chse (Ginkgoaceae) mit nur einer lebenden Gattung 'Ginkgo' sind.

Fossilgeschichte

Die Gattung Ginkgo selbst ist mit fossilen Funden seit dem frĂŒhen Jura prĂ€sent.cite-ref-tralau-58-0[58] Die Ă€lteste der Gattung unzweideutig zugeschriebene Art, Ginkgo yimaensis aus Chinacite-ref-59[59] besitzt sehr Ă€hnliche Samenanlagen zur rezenten Ginkgo biloba, sie unterscheidet sich vor allem durch stĂ€rker zerschlitzte BlĂ€tter. Weitere Ă€hnliche Arten wurden in jurassischen Sedimenten der Inneren Mongolei beschrieben.cite-ref-60[60] Die Gattung scheint das Maximum ihrer DiversitĂ€t in der Kreide erreicht zu haben, als sie mit zahlreichen Arten zirkumpolar auf der NordhemisphĂ€re und in einigen Regionen der SĂŒdhemisphĂ€re verbreitet war.cite-ref-tralau-58-1[58]cite-ref-tredici-61-0[61] Die Gattung ĂŒberlebte das Massenaussterben an der Kreide-PalĂ€ogen-Grenze noch auf beiden HemisphĂ€ren, starb aber bald darauf auf der SĂŒdhalbkugel aus. Die seit der Unterkreide nachgewiesene, im PalĂ€ogen verbreitete Art Ginkgo adiantoides ist morphologisch extrem Ă€hnlich zur rezenten Art, so dass die meisten heutigen Bearbeiter sie nicht mehr von dieser unterscheiden. Die meisten anderen seit dem PalĂ€ogen beschriebenen Arten, mit Ausnahme einer einzigen (Ginkgo gardneri aus Schottland) sind weder von Ginkgo adiantoides noch von Ginkgo biloba ĂŒberzeugend morphologisch unterscheidbar und vermutlich konspezifisch zu dieser.cite-ref-62[62] Ginkgo biloba ist damit vermutlich die Ă€lteste noch lebende Pflanzenart der Erde. Die Gattung Ginkgo verschwand, den fossilen Funden nach, im OligozĂ€n aus den nördlichen, polnahen Breiten (wo sie vorher bis nach Spitzbergen und Ellesmere Island nachgewiesen war, auf letzterer unter anderem in der Margaret-Formation belegtcite-ref-63[63]). Zum Ende des MiozĂ€ns verschwanden die nordamerikanischen Vorkommen. In Europa ĂŒberlebte sie bis zum Ende des PliozĂ€ns und in Japan bis ins PleistozĂ€n.cite-ref-tredici-61-1[61]

Rezeption

In der Literatur

Zum Bekanntheitsgrad und zur Verbreitung des Ginkgos in Deutschland hat das Gedicht mit dem Titel Gingo biloba wesentlich beigetragen, das der 66 Jahre alte Goethe im September 1815 schrieb und 1819 in seiner Sammlung West-östlicher Diwan veröffentlichte. Das Gedicht ist Goethes spĂ€ter Liebe, Marianne von Willemer, gewidmet und stellt das Ginkgoblatt aufgrund seiner Form als Sinnbild der Freundschaft dar.cite-ref-64[64] Der Brief mit dem Gedicht, dem Goethe zwei Ginkgo-BlĂ€tter beilegte, ist heute im Goethe-Museum DĂŒsseldorf zu sehen, in dessen unmittelbarer Umgebung zahlreiche GinkgobĂ€ume stehen. Ein spezielles Ginkgo-Museum befindet sich in Weimar.cite-ref-65[65]

In der Astronomie

Der Asteroid (85197) Ginkgo ist nach dem Ginkgo benannt.

Symbolik

Der Grund fĂŒr die bis heute große Bedeutung des Ginkgo fĂŒr Kunst, Kultur und Heilkunde liegt vor allem in der Chinesischen Philosophie und der ansprechenden Morphologie des Baumes und seiner BlĂ€tter. Der Ginkgo wird seit langem als kraftspendend und lebensverlĂ€ngernd verehrt. Die Chinesen und Japaner verehren den Ginkgo seit Jahrhunderten wegen seiner Lebenskraft und Wunderverheißungen als heilig und erbeten unter ihm ihre WĂŒnsche. Frauen erbitten unter ihm Milch zum Stillen ihrer Kinder und Bauern erflehen Regen fĂŒr eine reichhaltige Ernte, Ginkgos sind auf diese und andere Art und Weise in Mythen, VolkserzĂ€hlungen und Geschichten wieder zu finden. Der Ginkgo steht in Japan unter Naturschutz. So mancher Baumriese ĂŒberragt ganze Ortschaften und gilt als Wahrzeichen fĂŒr seine Anwohner. Aus dem 18. Jahrhundert gibt es in dem Kloster Tanzhe-si eine weit verbreitete Legende. Der zufolge gab es dort ein Ehrentor, das zu einem Ginkgobaum fĂŒhrte. Dieser Baum wurde durch ein kaiserliches Etikett geschĂŒtzt. Der dortige Glaube der Chinesen besagte, dass bei jedem Thronwechsel innerhalb der Mandschu-Dynastie der Hauptstamm ein neues Reis in den Baum einsetzte, das sich dann zu einem prĂ€chtigen Ast entwickeln sollte.cite-ref-marix-27-1[27] BĂ€ume mit einem Alter von 1000 bis 2000 Jahren sind keine Seltenheit. Man findet sie bei Tempeln, in der Nachbarschaft, auf Anhöhen und auch auf Friedhöfen neben GrĂ€bern. In Japan werden die geschĂ€lten (von Sarkotesta und Sklerotesta befreiten) Ginkgosamen beim Hochzeitsmahl als GlĂŒckssymbol verzehrt. Ein 3000 Jahre alter und 26 Meter hoher Ginkgo in der Provinz Shandong hat bei gĂŒnstiger Witterung Samen von insgesamt einer Tonne geliefert.cite-ref-marix-27-2[27] In vielen Geschichten und ErzĂ€hlungen wird der Baum als Wohnort von Geistern beschrieben und deshalb hoch geschĂ€tzt und gleichermaßen gefĂŒrchtet.cite-ref-karasek-26-1[26]

Zudem wurde das in der Pflanzenwelt einzigartige zweigeteilte Blatt und seine ZweihĂ€usigkeit schon frĂŒh eng mit dem Symbol des Yin-Yang in Verbindung gebracht.cite-ref-karasek-26-2[26] Zur modernen Mythenbildung hat auch wesentlich die Geschichte des Tempelbaumes in Hiroshima beigetragen, der bei der Atombombenexplosion 1945 in Flammen aufging, aber im FrĂŒhjahr 1956 wieder austrieb und weiterlebte,cite-ref-66[66] dokumentiert als „Atombomben-Ginkgo von Hosenbo in Hiroshima“.cite-ref-67[67] Das Ginkgo-Blatt ist das Logo der UniversitĂ€t Tokio und der sĂŒdkoreanischen Sungkyunkwan-UniversitĂ€t.

Quellen

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Weblinks

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Wiktionary: Ginkgo

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Wiktionary: Ginkgo biloba

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

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‱ Ginkgo Museum, Weimar, mit Überblick ĂŒber Kultivare
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